Handwerk und Handel

Die Arbeitsgruppe Handel und Handwerk  kümmert sich um die Themen, die für die zahlenmäßig größte Unternehmer*innen- Gruppe in unserer AGSNRW wichtig sind:

Unternehmer*innen aus Handel und Handwerk

Erste Arbeits- Schwerpunkte sind:

  • Bürokratieabbau, insbesondere zu Gunsten kleiner Unternehmen
  • Gleichwertigkeit und Förderung Beruflicher Bildung
  • Vergaberecht

Für Anregungen und Beiträge sind wir immer dankbar.

Ansprechpartner*innen für die Arbeitsgruppe sind: 

  • Dipl. ing. André Brümmer

52078 Aachen

Mobil:015121219516

Mail: mail@nullandrebruemmer.de

  • Frank Slingerland

Düsseldorf

Mobil: 01717158476

Mail: frank@nullslingerland.de


12.09.21

Thomas Kutschaty zu Gast beim HANDWERK.NRW

          Sein Thema: 
          RESEPEKT, WOHLSTAND und ZUSAMMENHALT
          Das Zukunftsprogramm der Sozialdemokratie

Freitag, 10. September 2021: Thomas Kutschaty, Vorsitzender der NRW-SPD, stand  in Folge 6 der Veranstaltungsreihe #handwerkumzwoelf online über ZOOM Rede und Antwort.

Die zugeschalteten Gäste begrüßte Andreas Ehlert, Präsident von HANDWERK.NRW. Er leitete über zu einem Statement von Thomas Kutschaty. 

Der  lobte zunächst das Handwerk für seine bedeutenden  Leistungen bei Integration und  Ausbildung. Er hob auch die ökonomische Bedeutung des Handwerks hervor.

Kutschaty sieht das Handwerk vor großen Herausforderungen: Digitalisierung, Fachkräftemangel, Klimawandel und andere Transformationsprozesse. Antworten auf damit zusammenhängende Fragen und Lösungen seien im Zukunftsprogramm der SPD zu finden. 

Der Klimawandel böte große Chancen für das Handwerk. Die SPD wolle die Investitionen in Infrastruktur erhöhen, was insbesondere dem Handwerk zugute käme. Das gälte auch für die Befreiung der Kommunen von erdrückenden Altschulden. Damit würden notleidenden Kommunen wieder handlungsfähig und könnten kommunale Aufträge vergeben. 

Bei der Corona-Krise habe sich der Staat als handlungsfähig erwiesen. Als „Starker Staat“ konnte er durch Wirtschaftshilfen Probleme der Unternehmen abfedern. 

Beim Fachkräftemangel will die SPD neue Wege gehen, so Kutschaty. Schulen sollen besser auf die berufliche Bildung vorbereiten. Die Berufliche- solle gegenüber der Akademischen  Bildung einen höheren Stellenwert erhalten. Da der Mangel an Ausbildungsstellen regional unterschiedlich sei, komme es auf mehr Mobilität der AzuBis an. AzuBI- Tickets und Förderung von Wohnheimen wären hier hilfreich. Die Gebühren für Techniker- und Meister- Kurse möchte die SPD abschaffen. Mit einer Angepassung des Tariftreue- und Vergabegesetz möchte Kutschaty Unternehmen noch besser vor Dumping- Konkurrenz schützen. Zum Thema Steuer und Schulden wies Kutschaty auf die 300 Mrd. Corona- Hilfe des Staates hin. Die müssten abgetragen werden, ohne auf wichtige Investitionen zu verzichten.

Zur Finanzierung möchte die SPD die Einkommensteuer (ab 500.000€ Jahreseinkommen für Paare) um 3 Prozentpunkte anheben. Zur Bewältigung der anstehenden Transformation biete das Zukunftsprogramm der SPD auch dabei die beste Lösung. 

Präsident Ehlert leitete anschließend noch Fragen aus dem Chat weiter.Von Gästen wurde die Auskunftspflicht von ArbeitnehmerInnen bezüglich Corona- Impfung auch im Handwerk gefordert. Kutschaty wies auf die Arbeitnehmerinnen hin, bei denen wegen anderer Erkrankungen keine Impfungen möglich seien. Bei der Ausweitung der gesundheitlichen Auskunftspflicht gäbe es auch gesetzliche Hürden. 

Dem 2G- Modell (Mehr Freiheiten für Geimpfte oder Genesene) stand Kutschaty positiv gegenüber, will aber nicht, dass der Staat das vorschreibt. Angesprochene Probleme durch überbordende Bürokratie, z.B. Dokumentationspflichten, konnte Kutschaty gut nachvollziehen, da er selbst als Rechtsanwalt freiberuflich tätig war. Bei der Abschaffung von als bürokratisch angesehenen Regeln stünden sich aber oft Befürworter und Gegner gegenüber, beide mit guten Argumenten. 

Zum Thema Bürokratieabbau stehe er dem Handwerk gerne zu einem Austausch zur Verfügung, so Kutschaty. Das gelte auch für eine Anpassung des Tariftreue- und Vergabegesetzes. Zur Finanzierung von Investitionen in Modernisierung möchte Kutschaty in NRW einen Transformationsfond in Höhe von 30 Mrd. € auflegen.Der Forderung nach zügigerer Bearbeitung von Genehmigungen durch Verwaltungen entgegnete Kutschaty mit dem Hinweis  auf die oft unzureichende Personaldecke der Verwaltungen. Hier sei die Forderung nach einem „Schlanken Staat „mit ursächlich!

Präsident Ehlert befragte Thomas Kutschaty zum Abschluss der Veranstaltung  auch zur anstehenden Bundestagswahl.  Auf die Frage nach Präferenzen bei der Partnerwahl antwortete Kutschaty, das Ergebnis der Wahl sei zur Zeit noch völlig offen. In Grundsatzfragen bei der Außen- und Verteidigungs- Politik  müsse es in einer Koalition aber Konsens geben.

Zum Ende der Veranstaltung dankte Andreas Ehlert dem Gast und stellte ein weiteres Treffen vor der in 2022 anstehenden Landtagswahl in NRW in Aussicht. 

Online war für die AGS dabei: André Brümmer, Ehrenvorsitzender der AGSNRW und dem Handwerk aktiv und eng verbunden.

14.06.2021

Re- Start nach Corona:

Handwerk NRW gibt Planungshilfen!

In der Veranstaltungsreihe #handwerkumzwoelf hat HANDWERK.NRW zur 3. Folge eines Online- Treffens eingeladen. Thema diesmal: „So gelingt der Re-Start: Was Unternehmer jetzt tun sollten!“ Auch die AGS war dabei.

HANDWERK.NRW zu Format: Corona hin oder her: Mit #handwerkumzwoelf bietet HANDWERK.NRW ab 2021 ein neues Format zur Diskussion an. Es ist kompakt, digital und schnörkellos angelegt: eine Stunde, ein Gast, ein Thema. Wer zuhören und mitdiskutieren will, kann dabei sein und sich einwählen. Egal ob aus dem Büro, aus der Werkstatt, aus dem Home Office oder von der Baustelle. Egal ob im Blaumann oder mit Krawatte.

Bei HANDWERK.NRW und der Handwerkskammer zu Düsseldorf ist es Tradition, über die üblichen Aufgaben hinaus Informationen zu aktuellen Themen anzubieten und sich darüber auszutauschen. Die Corona- Pandemie ist Ursache dafür, dass die Veranstaltungen nicht, wie gewohnt, in der HWK Düsseldorf stattfinden können. Neue Wege bietet die Online- Kommunikation.

Das Zoom.Meeting am 11.Juni 2021 eröffnete Andreas Ehlert (Präsident der HWK Düsseldorf) pünktlich um 12 Uhr. Erbegrüßte alle Teilnehmer, auch im Namen von Prof. Dr. Hans Jörg Hennecke (Hauptgeschäftsführer HANDWERK.NRW) . Den Aufschlag unternahm Dr. Andre Carls (Vorsitzender Bankenverband NRW e.V.) .

Sein Input begann mit einer Beschreibung der aktuellen Lage:

  • Die Eigenkapital- Quoten sind meist kaum verändert.
  • Eine befürchtete Pleitewelle blieb bisher aus.
  • Die Auftragsbücher sind voll.
  • Der Geschäftsklima- Index befindet sich auf Höchststand.

Nichtsdestotrotz gibt es auch Verlierer: Der stationäre Einzelhandel, Gastronomie, Touristik und Kultur. Hilfreich waren lt. Dr. Carls die Staatshilfen, insbesondere bei Erhalt der Liquidität. Nicht nur für sie gilt: Anpassungen selbst gestalten.

Die Banken sorgten dafür, dass es während der Krise keine Kreditklemmen gab.

Dr. Carls: In dieser Krise waren die Banken nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung!

Dr. Carls sieht Corona als Zäsur: Veränderungen werden sich beschleunigen, Anpassungen müssen gestaltet werden. Dabei ist Digitalisierung ist kein „nice to have“, wer nicht digitalisiert, verliert!

Was zu tun ist“, führte Dr. Carls in drei Punkten aus:

  1. Re-Start stark angehen!

Ausbremsen könnte den Re- Start ein Mangel an Rohstoffen und

Vorprodukten in der EU. Zu tun ist:

  • Investieren
  • Eigenkapital stärken
  • Schulterschluss Investoren und Politik
  • Keine Subventionen „per Gießkanne“
  • Kein sparen der Öffentlichen Hand

(Anmerkung der AGS: Forderungen nach Widereinführung der „schwarzen Null“ würden insbesondere kommunale Investitionen abwürgen!)

  1. Digitalisierung
  • Förderprogramme in NRW nutzen!
  1. Nachhaltigkeit und Klimaschutz
  • Zielvorgaben/Grenzwerte sind alternativlos
  • Nachhaltigkeit ist Chance für Vertriebs- und Wettbewerbsfähigkeit

Alle drei Teile sieht Dr. Carls als Gesamtaufgabe! Abschließend zu seinem Statement wies Dr. Carls noch auf ein persönliches Anliegen hin: AUSBILDUNG! Sie ist der Schlüssel zur Behebung von Fachkräftemangel.

Es folgte ein Chat mit den Teilnehmern der Online- Konferenz. .

Andre Brümmer (AGS) fragte an, wie die durch Corona angehäuften Staatsschulden abgetragen werden könnten, damit zukünftige Generationen nicht unzulässig belastet würden und ohne die Investitionsfähigkeit von Bund, Ländern und Kommunen zu mindern.

Dr. Carls sieht den Schuldenabbau als mittelfristige Aufgabe, die auch durch einen anstehenden Aufschwung der Wirtschaft gelöst werden könnte.

Präsident Ehlert sprach das Problem der steigenden Material- Preise an.

Dr. Carls sieht längerfristig eine maßvolle Inflation, wenn Lohnsteigerungen und Kosten für Vorproduktpreise moderat blieben.

Michael Vogelsang (VR-Bankengruppe) setzte das Thema: „Aussetzung der Insolvenz- Antragspflicht“. Für Dr. Carls war die Aussetzung hilfreich. Er sieht aber aktuell keinen auffälligen Anstieg.

Für Hans Jörg Hennecke (HGF HANDWERK.NRW) stellte die Regulierung von Finanzierungen und damit verbundene Probleme (Rating) zur Diskussion.

Dr. Carls nannte eine ausreichende Finanzierung insbesondere für den deutschen Mittelstand als sehr bedeutend. „Im Ausland gibt es eine vergleichbare Mittelstandsstruktur kaum“, so Dr. Carls.Er ging auch auf die Reduzierung der Bank- Filialen ein. Filialnetze in der aktuellen Größe seien durch die Digitalisierung nicht mehr vertretbar. Eine persönliche Beratung vor Ort bleibe aber gesichert. Sowohl Präsident Ehlert als auch Dr. Carls bescheinigten der Politik, einen guten Job gemacht zu haben.

Fazit aus Sicht der AGS: Das Veranstaltungsformat muss man uneingeschränkt als gelungen bezeichnen. Es ist ein Angebot an einen großen Kreis, ohne die sonst vorhandenen Hemmschwellen, eine Veranstaltung vor Ort zu besuchen.Gut ist auch die Kombination von einem Statement eines Gastes zu einem Thema, verbunden mit dem Austausch mit den Teilnehmern. Dr. Carls hat das gegebene Thema präzise und verständlich umrissen, Präsident Ehlert souverän moderiert.

  • 17.05.2021 (Quelle: Aachener Nachrichten)
  • Trotz Corona: Der Alltag geht weiter
  • Bürokratische Hürden und Mehrbelastungen für die Wirtschaft leider auch!
  • So wurde die Pflicht zur Anschaffung von computergestützten Kassensystemen oder Registrierkassen nicht ausgesetzt und die Frist zur Umsetzung nicht verlängert.
  • Übergangsfrist für die Umrüstung von Kassen endet!
  • Nach dem Gesetz zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen gilt seit dem 1. Januar 2020 die Pflicht, elektronische Aufzeichnungssysteme, wie elektronische und computergestützte Kassensysteme oder Registrierkassen, mit einer zertifizierten technischen Sicherheitseinrichtung (TSE) auszurüsten. Die Zertifizierung dieser von den Kassenherstellern konzipierten technischen Einrichtungen wird vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik durchgeführt. Da die Herstellung und Zertifizierung nur schleppend Fahrt aufnahm und die Corona-Pandemie erschwerend hinzukam, wurde es in allen Bundesländern außer Bremen nicht beanstandet, wenn die Inbetriebnahme bis zum 31. März 2021 erfolgte. Voraussetzung für diese Nichtbeanstandungsregelung war, dass der Unternehmer fristgerecht Umrüstungsaufträge für den Einbau der TSE erteilt oder bei cloudbasierten Lösungen die Erweiterung beauftragt hat und dies nachprüfbar dokumentiert wurde. Spätestens ab dem 1. April 2021 müssen nunmehr alle elektronischen Aufzeichnungssysteme entsprechend den gesetzlichen Vorgaben mit einer zertifizierten technischen Sicherheitseinrichtung ausgestattet sein.
  • Am Markt sind zwar entsprechende zertifizierte TSE verfügbar, jedoch gibt es offensichtlich in einigen Fällen noch Schwierigkeiten und Verzögerungen bei der Implementierung in die Kassensysteme. Auch ist die Anzahl der bisher zertifizierten Cloudlösungen sehr überschaubar. Da eine generelle Verlängerung der Nichtbeanstandung über den 31. März 2021 nicht erfolgte, müssen betroffene Unternehmer nunmehr einen Einzelantrag auf Verlängerung der Frist bei ihrem zuständigen Finanzamt stellen. Voraussetzung für die Stellung eines Antrags ist, dass nachvollziehbar dargelegt wird, warum im konkreten Einzelfall eine zeitgerechte Implementierung nicht möglich war und dass eine sachliche Härte gegeben ist und diese nachgewiesen werden kann.
  • Eine sachliche Härte bei TSE als Hardwarelösung wie zum Beispiel USB-Sticks oder SD-Karten kann vorliegen, wenn der Unternehmer zwar rechtzeitig die erforderliche Anzahl TSE verbindlich bestellt hat und mit der Lieferung und Implementierung bis zum 31. März 2021 gerechnet werden konnte, diese jedoch ohne sein Verschulden noch nicht erfolgte.
  • Bei den Cloudlösungen erfolgt keine Lieferung von Hardware direkt an den Unternehmer, sondern die TSE ist zentral und unmittelbar durch den Anbieter der Cloud bei ihm zu implementieren. Die Zertifizierung von Cloudlösungen konnte durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik oftmals noch nicht abgeschlossen werden. Deshalb liegt in diesen Fällen eine sachliche Härte vor, wenn die geplante Cloud-TSE rechtzeitig geplant und verbindlich bestellt wurde, jedoch die endgültige Zertifizierung und Freigabe noch nicht erfolgte. Auch müssen im Rahmen der Zertifizierung gestellte Anforderungen an den Umgebungsschutz in der Cloud umgesetzt werden. Ein Fehlen dieser Anforderungen kann ebenfalls eine sachliche Härte bedeuten. Jeder Einzelantrag soll von den Finanzbehörden geprüft werden. Die Ministerien für Finanzen der Länder haben entsprechende Verfügungen dazu bekannt gegeben, wie diese Anträge auf Bewilligung von Erleichterungen zu erledigen sind. Allgemein kann davon ausgegangen werden, dass Unternehmen, die unverschuldet durch die Corona-Pandemie oder durch Probleme mit der Lieferung oder Zertifizierung der TSE ihren gesetzlichen Pflichten noch nicht nachkommen konnten, geholfen wird. Wichtig ist, dass jetzt kurzfristig ein Antrag beim zuständigen Finanzamt gestellt wird.
  • wirtschaft@nullmedienhausaachen.de   17.05.2021 / Aachener Nachrichten – Stadt / Seite 15 / WIRTSCHAFT
  • 26.01.2021 (Quelle: Handwerksblatt)
  • Corona: Diese Handwerker dürfen weiter arbeiten 
  • Mit dem bundesweiten Lockdown ist die Unsicherheit bei Handwerkern und Kunden groß. Wichtige Arbeiten und Reparaturen dürfen aber weiterhin ausgeführt werden. Aufträge müssen nicht storniert werden.
  • Corona: Diese Handwerker dürfen weiter arbeiten (handwerksblatt.de)
  • AGS- Handwerksvertreter unterstützen Forderungen des ZDH. Ausbildungsmarkt stützen. Zugang zur Ausbildungsprämie erleichtern.
  • Die AGS übernimmt Forderungen des ZDH, insbesondere Klein- Betriebe dabei zu unterstützen, auch in Krisenzeiten (Corona) ihr Engagement für Duale Ausbildung fortsetzen zu können:

    In diesem Jahr wurden bisher ca. 123 Tsd. Ausbildungsverträge erfasst. „Das sind 8,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum“, stellt der ZDH in seiner aktuellen Ausgabe von „ZDH-KOMPAKT“ fest. Das Handwerk  fordert Konsequenzen. Dessen Forderungen unterstützen wir.

    Aus: ZDH KOMPAKT, Ausg.Oktober 2020:

  • Ausbildungsmarkt stützen.
    Zugang zur Ausbildungsprämie erleichtern.

    WO WIR STEHEN

    Die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen haben sich deutlich auf den Ausbildungsmarkt im Handwerk ausgewirkt. Von Januar bis September 2020 wurden in den Lehrlingsrollen der Handwerkskammern 123.630 Ausbildungsverträge neu erfasst. Das sind 8,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Zwar gab es in den vergangenen Monaten einen deutlichen Aufholeffekt (im Mai betrug das Minus bei den Vertragsabschlüssen noch 18 Prozent). Die Neuvertragszahlen in der Größenordnung des Vorjahres werden nach gegenwärtiger Lage aber kaum mehr zu erreichen sein.

    Kleinst- und Kleinbetriebe sind die Träger der Dualen Ausbildung in Deutschland. Gerade diese Ausbildungsbetriebe leiden unter Planungsunsicherheit und konjunkturellen Folgen der Corona-Pandemie. Zudem hat sich die Zahl der Ausbildungsplatzbewerber, ausgehend von einem Rekordtief im Jahr 2019, im Jahr 2020 nochmals um ca. 8 Prozent verringert. Es steht zu befürchten, dass sich in Folge der Corona-Pandemie der Fachkräftemangel im Handwerk weiter verschärft.

    Um den Ausbildungsmarkt zu stabilisieren, hat die Bundesregierung das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ auf den Weg gebracht. In einem ersten Schritt ist am 04.08.2020 eine erste Förderrichtlinie in Kraft getreten. Sie sieht für Betriebe mit bis zu 250 Beschäftigten (KMU) eine Ausbildungsprämie bei einem gleichbleibenden Ausbildungsniveau, eine Ausbildungsprämie plus für zusätzli- che Ausbildungsplätze, einen Ausbildungszuschuss zur Verhinderung von Kurz- arbeit in der Ausbildung sowie eine Übernahmeprämie für Auszubildende aus in- solventen Betrieben vor.

    BEWERTUNG

    Mit der beschlossenen Ausbildungsprämie erhalten KMU, die trotz Kurzarbeit oder massiver Umsatzeinbußen ihr Ausbildungsengagement fortsetzen, eine wichtige Anerkennung. Das Handwerk hat die Ausbildungsprämie und den avisierten Adressatenkreis daher von Anfang an ausdrücklich begrüßt.

    Durch die Ausbildungsprämie soll insbesondere die Ausbildungsleistung der Kleinst- und Kleinbetriebe unterstützt werden. Durch die wenig KMU- freundlichen, restriktiven Förderbedingungen und den hohen bürokratischen Aufwand, der mit der Fördermittelbeantragung einhergeht, kann dieses bildungspolitische Ziel nur bedingt erreicht werden. Die aktuellen Zahlen lassen vermuten, dass das Programm nicht zuletzt aufgrund eines vorausgesetzten Umsatzrückgangs von mindestens 60 Prozent in den Monaten April und Mai oder einem Monat Kurzarbeit in seiner aktuellen Ausgestaltung keine Breitenwirkung entfalten wird. Viele Ausbildungsbetriebe, etwa aus dem Bau- und Ausbauhandwerk, konnten den bundesweiten Shutdown im ersten Halbjahr 2020 relativ gut überstehen, indem vorhandene Auftragspuffer abgearbeitet werden konnten. Sie verspüren aber jetzt die wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID19-Pandemie und sehen sich mit entprechenden Umsatzrückgängen konfrontiert.

    WAS ZU TUN IST

    Um insbesondere das Ausbildungsengagement von Kleinst- und Kleinunternehmen zu stabilisieren, sind die Bundesministerien aufgerufen, die sehr restriktiven Förderkonditionen der ersten Förderrichtlinie nachzubessern und an die Betroffenheit der Betriebe anzupassen:

    Anpassung der Fördervoraussetzungen: Die Fördervoraussetzungen der ersten Förderrichtlinie sind an die Zugangsvoraussetzungen der Überbrückungshilfe II anzupassen, um damit wieder einen Gleichklang herzustellen. So muss der vorausgesetzte Umsatzrückgang von 60 auf 50 Prozent über zwei zusammenhängende Monate bzw. 30 Prozent des Durchschnitts der Monate April bis August reduziert werden.

    Ausweitung des Förderanspruches: Der Förderanspruch für die Ausbildungsprämie ist auf alle in einem Betrieb neu beginnenden Ausbildungsverhältnisse auszuweiten. Die Einschränkung förderfähiger neuer Ausbildungsverträge nach dem Beginn des Ausbildungsverhältnisses oder der Vorerfahrung des Jugendlichen ist für einen Betrieb nicht nachvollziehbar.

    Reduzierung des Bürokratieaufwands: Der Bürokratieaufwand bei der Beantragung der Förderung ist zu reduzieren durch eine Stichtagsregelung zum 31.12. bei der Erfassung der Ausbildungsverhältnisse in den Vorjahren, durch den Verzicht auf die Ausweisung der Ausbildungsvergütung bei der Beantragung der Ausbildungsprämie und der Ausbildungsprämie plus sowie den Verzicht auf eine De-minimis-Erklärung durch die Ausbildungsbetriebe.

    Stand: 15.10.2020
    Verantwortlich: Dr. Volker Born, Leiter der Abteilung Berufliche Bildung

  • HWK Köln, 19.2.2020: Der Ehrenvorsitzende der AGSNRW, André Brümmer  nutzt ein Treffen mit Garrelt Duin(Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Köln) zu einem Interview.
  • 10 Fragen an Garrelt Duin
  • André Brümmer: 1. Wir kennen uns noch aus der Zeit, bevor Du NRW- Wirtschaftsminister wurdest. Du wurdest 1998 als Rechtsanwalt zugelassen. Das Thema „Wirtschaft“ wurde Dir also nicht in die Wiege gelegt, oder?
  • Garrelt Duin: Als ich im Jahr 2000 Mitglied des Europaparlaments wurde, habe ich entscheiden, mich um die wichtigsten Fragen für meinen Wahlkreis zu kümmern. Das waren damals noch Schiffbau und die Automobilindustrie. Seitdem haben mich industrie- und wirtschaftspolitische Themen immer begleitet, im Bundestag und natürlich als Minister.
  • André Brümmer: 2. Als Minister hast Du versucht, alle Beteiligten, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit einzubinden, um die jeweiligen Probleme zu lösen. Du bist seit Deiner Schulzeit SPD- Mitglied. Ist das ein Handicap bei Deiner jetzigen Tätigkeit?
  • Garrelt Duin: Man macht bessere Arbeit, wenn man viele Leute um sich hat, die die Besten in ihren Bereichen sind. Da kann die Parteimitgliedschaft kein Kriterium sein. Die Vollversammlung der Handwerkskammer hat mich einstimmig zum Hauptgeschäftsführer gewählt. Verbunden ist das mit der Erwartung parteipolitischer Neutralität bei öffentlichen Aussagen. Meine Herkunft oder Mitgliedschaft werde ich deswegen aber nie verleugnen.
  • André Brümmer:3.Was sind Deine Aufgaben als Hauptgeschäftsführer?
  • Garrelt Duin:  Ich steuere das Schiff. Wir sind 250 Beschäftigte, die Betriebe beraten, aus- und weiterbilden, sich um den Nachwuchs im Handwerk kümmern. Aber auch viele juristische Fragen und nicht zuletzt ordentliche Finanzen gehören zu meiner Verantwortung.
  • André Brümmer:4. Du bist jetzt mehr als ein halbes Jahr Hauptgeschäftsführer der HWK Köln. Was sind die größten Veränderungen im persönlichen Tagesablauf?
  • Garrelt Duin: Ich lebe jetzt in der Woche in Köln, während meine Familie noch in Essen ist. Das ist eine gewisse Umstellung, die wir aber zusammen gut meistern.
  • André Brümmer:5. Als Minister wurden Forderungen an Dich gestellt. Nun stellst Du die Forderungen. Aus dem Gejagten wurde ein Jäger. Macht das mehr Vergnügen?
  • Garrelt Duin: Ich habe weder das Gefühl des Gejagten noch das des Jägers je gehabt. In den Sachfragen muss ich auch meine Meinung nicht ändern. Ich habe mich als Minister immer sehr für das Handwerk eingesetzt, hatte es sogar im Namen des Hauses. (MWEIMH= Ministerium für Witschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk (Red.))Auch das Thema Bürokratieabbau stand für mich nicht nur in den Sonntagsreden. Ein Unterschied ist, dass ich früher Fördermittel ausgegeben habe, heute welche z.B. für unser Bildungszentrum beantrage. Da bin ich dann doch etwas zum  Jäger geworden.
  • André Brümmer:6. Was sind Deine Ziele in der neuen Funktion?
  • Garrelt Duin: Der größte Schritt muss bei der Digitalisierung gemacht werden. Da sind wir als Servicestelle für das Handwerk noch nicht gut genug. Und es muss immer klar sein, dass wir die Kammer in Köln sind aber eben nicht nur für Köln sondern für die ganze Region.
  • André Brümmer:7. In 2012 hast Du einen bundesweiten Ausgleich für die Kosten der Energiewende (auch zu Gunsten von NRW) gefordert, Bayern klagte damals gegen den Länderfinanzausgleich. Das Thema ist immer noch aktuell. Wer soll die Energiewende letztlich bezahlen:
  • Die Bürger über Steuern und Energiekosten?
  • Die Wirtschaft, und damit auch das Handwerk?
  • Oder welche Vorstellung hast Du dazu?
  • Garrelt Duin: Die Klima- und Energiewende ist zwingend erforderlich und mittlerweile ja gesellschaftlich auch von fast allen gewollt. Solche Umbrüche müssen dann auch von allen gestemmt werden, man darf die Verlierer dieses Weges nicht allein lassen. Deswegen bin ich schon der Meinung, dass alle über Steuern auch an der Finanzierung der Maßnahmen beteiligt werden müssen. Und Steuern sind immer auch entsprechend der Leistungsfähigkeit zu zahlen.
  • André Brümmer:8. Die Berufliche Bildung ist trotz aller Sonntagsreden von Politikern immer noch unterfinanziert, insbesondere im Vergleich zur Finanzierung der Akademischen Bildung. Die Akzeptanz des Handwerks ist auch noch verbesserungswürdig, trotz sehr guter Image- Kampagnen des Handwerks. Was ist zu tun?
  • Garrelt Duin: Wir kommen voran. Der Pakt der Landesregierung zugunsten der Bildungsstätten hilft uns sehr, die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur zu tätigen. Damit bleiben wir auch technisch auf Höhe der Zeit. Außerdem sind Meister und Bachelor jetzt endlich auch gesetzlich gleichgestellt. Wir selbst haben die Aufgabe junge Menschen noch viel früher und viel genauer über die Perspektiven einer dualen Ausbildung und der Weiterbildung bis hin zum trialen Studium zu informieren. In der Vergangenheit haben wir zwar teure Broschüren gedruckt damit aber kaum jemanden wirklich begeistern können. Es braucht mehr Bezug zur Praxis schon in der Schule. Kein Abschluss ohne Anschluss (KAOA) war ja ein guter Ansatz, aber wir müssen gemeinsam mit allen Akteuren noch viel häufiger jungen Menschen die Möglichkeit geben, sich mit dem Handwerk konkret zu beschäftigen.
  • André Brümmer: 9. Die AGS hat sich in der Vergangenheit immer sehr für die Belange des Handwerks eingesetzt. Das hat zu guten Kontakten zwischen den Handwerksorganisationen und dem Handwerk geführt. Wie können wir diesen Kontakt pflegen oder sogar ausbauen?
  • Garrelt Duin: Ich habe das Engagement der AGS immer sehr geschätzt und stehe selbstverständlich gerne für diesen kontinuierlichen Austausch zur Verfügung.
  • Zur letzten Frage:
  • André Brümmer: 10. Das Jahr ist noch jung. Hast Du Vorsätze für das Jahr 2020?
  • Garrelt Duin: Vorsätze sind ja so eine Sache. Mit dem Rauchen aufhören, etwas Sport treiben, gesünder essen. Mal gucken, was so klappt. Aber einen Wunsch habe ich. Es wäre toll, wenn der 1. FC Köln und mein Verein, der HSV, ab dem Sommer wieder zusammen in der 1. Liga spielen würden.
  • André Brümmer: Ich danke Dir für das Gespräch und wünsche Dir viel Freude und Erfolg bei Deiner Arbeit.
  • Kommunen stärken, Planungs- und Baurecht- Verfahren straffen!
  • Die Arbeitsgruppe Handwerk hat zwei Anträge an den Vorstand der AGSNRW gesendet zur Beratung auf der Klausurtagung und zur Einbringung auf der Bundeskonferenz.
  • Sie sind nach Austausch mit Handwerksvertreter Garrelt Duin, NRW- Wirtschaftsminister a.D. entstanden.
  • Antrag von
  • AG Handwerk der AGSNRW
  • an die AGS- Bundeskonferenz                    27.07.2020
  • Länder und Bund müssen Kommunen in ihrer Handlungsfähigkeit stärken, um:
  • Öffentliche Investitionen zu ermöglichen
  • Digitale Infrastruktur der Kommunen auszubauen
  • Empfänger:
  • AGS- Bundeskonferenz
  • SPD- Fraktion in Bund und Ländern
  • Begründung
  • Die Finanzausstattung der meisten Kommunen war bereits vor der Corona- Krise unzureichend. Gerade die Kommunen, in denen ein erheblicher Investitionsstau bestand und besteht, konnten oft den zu erbringenden Eigenanteil zu Teilnahme an Förderprogrammen nicht aufbringen.
  • Durch die Corona- Krise brechen zusätzlich zur bestehenden Finanznot Gewerbesteuer- Einnahmen weg und Sozialleistungen steigen.
  • Um die Kommunen als örtliche Auftraggeber zu stärken, müssen sie durch die Länder und den Bund finanziell unterstützt werden.
  • Dieses Ansinnen wird auch von Garrelt Duin, NRW- Wirtschaftsminister a.D. und Handwerksvertreter als vorrangig bezeichnet.
  • Antrag von
  • AG Handwerk der AGSNRW                     27.07.2020
  • Länder und Bund müssen jeweils in ihrer Zuständigkeit Verfahren im Bau- und Vergabebereich beschleunigen, damit Hilfsmaßnahmen kurzfristig wirken
  • Empfänger:
  • AGS- Bundeskonferenz
  • SPD- Fraktion in Bund und Ländern
  • Begründung
  • Sonderprogramme aus Bund und Ländern können nur sehr verzögert umgesetzt werden, weil die Planungs- und Baurechtlichen Verfahren zu lange dauern.
  • Insbesondere Hilfsprogramme zu Corona- Zeiten bleiben so unwirksam.
  • Dieses Ansinnen wird auch von Garrelt Duin, NRW- Wirtschaftsminister a.D. und Handwerksvertreter als vorrangig bezeichnet.