Handwerk und Handel

Die Arbeitsgruppe Handel und Handwerk  kümmert sich um die Themen, die für die zahlenmäßig größte Unternehmer*innen- Gruppe in unserer AGSNRW wichtig sind:

Unternehmer*innen aus Handel und Handwerk

Erste Arbeits- Schwerpunkte sind:

  • Bürokratieabbau, insbesondere zu Gunsten kleiner Unternehmen
  • Gleichwertigkeit und Förderung Beruflicher Bildung
  • Vergaberecht

Für Anregungen und Beiträge sind wir immer dankbar.

Ansprechpartner*innen für die Arbeitsgruppe sind: 

  • Dipl. ing. André Brümmer

52078 Aachen

Mobil:015121219516

Mail: mail@nullandrebruemmer.de

  • Frank Slingerland

Düsseldorf

Mobil: 01717158476

Mail: frank@nullslingerland.de


AGS- Handwerksvertreter unterstützen Forderungen des ZDH. Ausbildungsmarkt stützen. Zugang zur Ausbildungsprämie erleichtern.

Die AGS übernimmt Forderungen des ZDH, insbesondere Klein- Betriebe dabei zu unterstützen, auch in Krisenzeiten (Corona) ihr Engagement für Duale Ausbildung fortsetzen zu können:

In diesem Jahr wurden bisher ca. 123 Tsd. Ausbildungsverträge erfasst. „Das sind 8,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum“, stellt der ZDH in seiner aktuellen Ausgabe von „ZDH-KOMPAKT“ fest. Das Handwerk  fordert Konsequenzen. Dessen Forderungen unterstützen wir.

Aus: ZDH KOMPAKT, Ausg.Oktober 2020:

Ausbildungsmarkt stützen.
Zugang zur Ausbildungsprämie erleichtern.

WO WIR STEHEN

Die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen haben sich deutlich auf den Ausbildungsmarkt im Handwerk ausgewirkt. Von Januar bis September 2020 wurden in den Lehrlingsrollen der Handwerkskammern 123.630 Ausbildungsverträge neu erfasst. Das sind 8,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Zwar gab es in den vergangenen Monaten einen deutlichen Aufholeffekt (im Mai betrug das Minus bei den Vertragsabschlüssen noch 18 Prozent). Die Neuvertragszahlen in der Größenordnung des Vorjahres werden nach gegenwärtiger Lage aber kaum mehr zu erreichen sein.

Kleinst- und Kleinbetriebe sind die Träger der Dualen Ausbildung in Deutschland. Gerade diese Ausbildungsbetriebe leiden unter Planungsunsicherheit und konjunkturellen Folgen der Corona-Pandemie. Zudem hat sich die Zahl der Ausbildungsplatzbewerber, ausgehend von einem Rekordtief im Jahr 2019, im Jahr 2020 nochmals um ca. 8 Prozent verringert. Es steht zu befürchten, dass sich in Folge der Corona-Pandemie der Fachkräftemangel im Handwerk weiter verschärft.

Um den Ausbildungsmarkt zu stabilisieren, hat die Bundesregierung das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ auf den Weg gebracht. In einem ersten Schritt ist am 04.08.2020 eine erste Förderrichtlinie in Kraft getreten. Sie sieht für Betriebe mit bis zu 250 Beschäftigten (KMU) eine Ausbildungsprämie bei einem gleichbleibenden Ausbildungsniveau, eine Ausbildungsprämie plus für zusätzli- che Ausbildungsplätze, einen Ausbildungszuschuss zur Verhinderung von Kurz- arbeit in der Ausbildung sowie eine Übernahmeprämie für Auszubildende aus in- solventen Betrieben vor.

BEWERTUNG

Mit der beschlossenen Ausbildungsprämie erhalten KMU, die trotz Kurzarbeit oder massiver Umsatzeinbußen ihr Ausbildungsengagement fortsetzen, eine wichtige Anerkennung. Das Handwerk hat die Ausbildungsprämie und den avisierten Adressatenkreis daher von Anfang an ausdrücklich begrüßt.

Durch die Ausbildungsprämie soll insbesondere die Ausbildungsleistung der Kleinst- und Kleinbetriebe unterstützt werden. Durch die wenig KMU- freundlichen, restriktiven Förderbedingungen und den hohen bürokratischen Aufwand, der mit der Fördermittelbeantragung einhergeht, kann dieses bildungspolitische Ziel nur bedingt erreicht werden. Die aktuellen Zahlen lassen vermuten, dass das Programm nicht zuletzt aufgrund eines vorausgesetzten Umsatzrückgangs von mindestens 60 Prozent in den Monaten April und Mai oder einem Monat Kurzarbeit in seiner aktuellen Ausgestaltung keine Breitenwirkung entfalten wird. Viele Ausbildungsbetriebe, etwa aus dem Bau- und Ausbauhandwerk, konnten den bundesweiten Shutdown im ersten Halbjahr 2020 relativ gut überstehen, indem vorhandene Auftragspuffer abgearbeitet werden konnten. Sie verspüren aber jetzt die wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID19-Pandemie und sehen sich mit entprechenden Umsatzrückgängen konfrontiert.

WAS ZU TUN IST

Um insbesondere das Ausbildungsengagement von Kleinst- und Kleinunternehmen zu stabilisieren, sind die Bundesministerien aufgerufen, die sehr restriktiven Förderkonditionen der ersten Förderrichtlinie nachzubessern und an die Betroffenheit der Betriebe anzupassen:

Anpassung der Fördervoraussetzungen: Die Fördervoraussetzungen der ersten Förderrichtlinie sind an die Zugangsvoraussetzungen der Überbrückungshilfe II anzupassen, um damit wieder einen Gleichklang herzustellen. So muss der vorausgesetzte Umsatzrückgang von 60 auf 50 Prozent über zwei zusammenhängende Monate bzw. 30 Prozent des Durchschnitts der Monate April bis August reduziert werden.

Ausweitung des Förderanspruches: Der Förderanspruch für die Ausbildungsprämie ist auf alle in einem Betrieb neu beginnenden Ausbildungsverhältnisse auszuweiten. Die Einschränkung förderfähiger neuer Ausbildungsverträge nach dem Beginn des Ausbildungsverhältnisses oder der Vorerfahrung des Jugendlichen ist für einen Betrieb nicht nachvollziehbar.

Reduzierung des Bürokratieaufwands: Der Bürokratieaufwand bei der Beantragung der Förderung ist zu reduzieren durch eine Stichtagsregelung zum 31.12. bei der Erfassung der Ausbildungsverhältnisse in den Vorjahren, durch den Verzicht auf die Ausweisung der Ausbildungsvergütung bei der Beantragung der Ausbildungsprämie und der Ausbildungsprämie plus sowie den Verzicht auf eine De-minimis-Erklärung durch die Ausbildungsbetriebe.

Stand: 15.10.2020
Verantwortlich: Dr. Volker Born, Leiter der Abteilung Berufliche Bildung

HWK Köln, 19.2.2020: Der Ehrenvorsitzende der AGSNRW, André Brümmer  nutzt ein Treffen mit Garrelt Duin(Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Köln) zu einem Interview.

10 Fragen an Garrelt Duin

André Brümmer: 1. Wir kennen uns noch aus der Zeit, bevor Du NRW- Wirtschaftsminister wurdest. Du wurdest 1998 als Rechtsanwalt zugelassen. Das Thema „Wirtschaft“ wurde Dir also nicht in die Wiege gelegt, oder?

Garrelt Duin: Als ich im Jahr 2000 Mitglied des Europaparlaments wurde, habe ich entscheiden, mich um die wichtigsten Fragen für meinen Wahlkreis zu kümmern. Das waren damals noch Schiffbau und die Automobilindustrie. Seitdem haben mich industrie- und wirtschaftspolitische Themen immer begleitet, im Bundestag und natürlich als Minister.

André Brümmer: 2. Als Minister hast Du versucht, alle Beteiligten, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit einzubinden, um die jeweiligen Probleme zu lösen. Du bist seit Deiner Schulzeit SPD- Mitglied. Ist das ein Handicap bei Deiner jetzigen Tätigkeit?

Garrelt Duin: Man macht bessere Arbeit, wenn man viele Leute um sich hat, die die Besten in ihren Bereichen sind. Da kann die Parteimitgliedschaft kein Kriterium sein. Die Vollversammlung der Handwerkskammer hat mich einstimmig zum Hauptgeschäftsführer gewählt. Verbunden ist das mit der Erwartung parteipolitischer Neutralität bei öffentlichen Aussagen. Meine Herkunft oder Mitgliedschaft werde ich deswegen aber nie verleugnen.

André Brümmer:3.Was sind Deine Aufgaben als Hauptgeschäftsführer?

Garrelt Duin:  Ich steuere das Schiff. Wir sind 250 Beschäftigte, die Betriebe beraten, aus- und weiterbilden, sich um den Nachwuchs im Handwerk kümmern. Aber auch viele juristische Fragen und nicht zuletzt ordentliche Finanzen gehören zu meiner Verantwortung.

André Brümmer:4. Du bist jetzt mehr als ein halbes Jahr Hauptgeschäftsführer der HWK Köln. Was sind die größten Veränderungen im persönlichen Tagesablauf?

Garrelt Duin: Ich lebe jetzt in der Woche in Köln, während meine Familie noch in Essen ist. Das ist eine gewisse Umstellung, die wir aber zusammen gut meistern.

André Brümmer:5. Als Minister wurden Forderungen an Dich gestellt. Nun stellst Du die Forderungen. Aus dem Gejagten wurde ein Jäger. Macht das mehr Vergnügen?

Garrelt Duin: Ich habe weder das Gefühl des Gejagten noch das des Jägers je gehabt. In den Sachfragen muss ich auch meine Meinung nicht ändern. Ich habe mich als Minister immer sehr für das Handwerk eingesetzt, hatte es sogar im Namen des Hauses. (MWEIMH= Ministerium für Witschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk (Red.))Auch das Thema Bürokratieabbau stand für mich nicht nur in den Sonntagsreden. Ein Unterschied ist, dass ich früher Fördermittel ausgegeben habe, heute welche z.B. für unser Bildungszentrum beantrage. Da bin ich dann doch etwas zum  Jäger geworden.

André Brümmer:6. Was sind Deine Ziele in der neuen Funktion?

Garrelt Duin: Der größte Schritt muss bei der Digitalisierung gemacht werden. Da sind wir als Servicestelle für das Handwerk noch nicht gut genug. Und es muss immer klar sein, dass wir die Kammer in Köln sind aber eben nicht nur für Köln sondern für die ganze Region.

André Brümmer:7. In 2012 hast Du einen bundesweiten Ausgleich für die Kosten der Energiewende (auch zu Gunsten von NRW) gefordert, Bayern klagte damals gegen den Länderfinanzausgleich. Das Thema ist immer noch aktuell. Wer soll die Energiewende letztlich bezahlen:

  • Die Bürger über Steuern und Energiekosten?
  • Die Wirtschaft, und damit auch das Handwerk?
  • Oder welche Vorstellung hast Du dazu?

Garrelt Duin: Die Klima- und Energiewende ist zwingend erforderlich und mittlerweile ja gesellschaftlich auch von fast allen gewollt. Solche Umbrüche müssen dann auch von allen gestemmt werden, man darf die Verlierer dieses Weges nicht allein lassen. Deswegen bin ich schon der Meinung, dass alle über Steuern auch an der Finanzierung der Maßnahmen beteiligt werden müssen. Und Steuern sind immer auch entsprechend der Leistungsfähigkeit zu zahlen.

André Brümmer:8. Die Berufliche Bildung ist trotz aller Sonntagsreden von Politikern immer noch unterfinanziert, insbesondere im Vergleich zur Finanzierung der Akademischen Bildung. Die Akzeptanz des Handwerks ist auch noch verbesserungswürdig, trotz sehr guter Image- Kampagnen des Handwerks. Was ist zu tun?

Garrelt Duin: Wir kommen voran. Der Pakt der Landesregierung zugunsten der Bildungsstätten hilft uns sehr, die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur zu tätigen. Damit bleiben wir auch technisch auf Höhe der Zeit. Außerdem sind Meister und Bachelor jetzt endlich auch gesetzlich gleichgestellt. Wir selbst haben die Aufgabe junge Menschen noch viel früher und viel genauer über die Perspektiven einer dualen Ausbildung und der Weiterbildung bis hin zum trialen Studium zu informieren. In der Vergangenheit haben wir zwar teure Broschüren gedruckt damit aber kaum jemanden wirklich begeistern können. Es braucht mehr Bezug zur Praxis schon in der Schule. Kein Abschluss ohne Anschluss (KAOA) war ja ein guter Ansatz, aber wir müssen gemeinsam mit allen Akteuren noch viel häufiger jungen Menschen die Möglichkeit geben, sich mit dem Handwerk konkret zu beschäftigen.

André Brümmer: 9. Die AGS hat sich in der Vergangenheit immer sehr für die Belange des Handwerks eingesetzt. Das hat zu guten Kontakten zwischen den Handwerksorganisationen und dem Handwerk geführt. Wie können wir diesen Kontakt pflegen oder sogar ausbauen?

Garrelt Duin: Ich habe das Engagement der AGS immer sehr geschätzt und stehe selbstverständlich gerne für diesen kontinuierlichen Austausch zur Verfügung.

Zur letzten Frage:

André Brümmer: 10. Das Jahr ist noch jung. Hast Du Vorsätze für das Jahr 2020?

Garrelt Duin: Vorsätze sind ja so eine Sache. Mit dem Rauchen aufhören, etwas Sport treiben, gesünder essen. Mal gucken, was so klappt. Aber einen Wunsch habe ich. Es wäre toll, wenn der 1. FC Köln und mein Verein, der HSV, ab dem Sommer wieder zusammen in der 1. Liga spielen würden.

André Brümmer: Ich danke Dir für das Gespräch und wünsche Dir viel Freude und Erfolg bei Deiner Arbeit.

 

Kommunen stärken, Planungs- und Baurecht- Verfahren straffen!

Die Arbeitsgruppe Handwerk hat zwei Anträge an den Vorstand der AGSNRW gesendet zur Beratung auf der Klausurtagung und zur Einbringung auf der Bundeskonferenz.

Sie sind nach Austausch mit Handwerksvertreter Garrelt Duin, NRW- Wirtschaftsminister a.D. entstanden.

Antrag von

AG Handwerk der AGSNRW

an die AGS- Bundeskonferenz                    27.07.2020

Länder und Bund müssen Kommunen in ihrer Handlungsfähigkeit stärken, um:

Öffentliche Investitionen zu ermöglichen

Digitale Infrastruktur der Kommunen auszubauen

 

Empfänger:

AGS- Bundeskonferenz

SPD- Fraktion in Bund und Ländern

Begründung

Die Finanzausstattung der meisten Kommunen war bereits vor der Corona- Krise unzureichend. Gerade die Kommunen, in denen ein erheblicher Investitionsstau bestand und besteht, konnten oft den zu erbringenden Eigenanteil zu Teilnahme an Förderprogrammen nicht aufbringen.

Durch die Corona- Krise brechen zusätzlich zur bestehenden Finanznot Gewerbesteuer- Einnahmen weg und Sozialleistungen steigen.

Um die Kommunen als örtliche Auftraggeber zu stärken, müssen sie durch die Länder und den Bund finanziell unterstützt werden.

Dieses Ansinnen wird auch von Garrelt Duin, NRW- Wirtschaftsminister a.D. und Handwerksvertreter als vorrangig bezeichnet.

 

Antrag von

AG Handwerk der AGSNRW                     27.07.2020

Länder und Bund müssen jeweils in ihrer Zuständigkeit Verfahren im Bau- und Vergabebereich beschleunigen, damit Hilfsmaßnahmen kurzfristig wirken

 

Empfänger:

AGS- Bundeskonferenz

SPD- Fraktion in Bund und Ländern

Begründung

Sonderprogramme aus Bund und Ländern können nur sehr verzögert umgesetzt werden, weil die Planungs- und Baurechtlichen Verfahren zu lange dauern.

Insbesondere Hilfsprogramme zu Corona- Zeiten bleiben so unwirksam.

Dieses Ansinnen wird auch von Garrelt Duin, NRW- Wirtschaftsminister a.D. und Handwerksvertreter als vorrangig bezeichnet.